top of page

In eigener Sache: Zertifizierter freier Lektor

  • Autorenbild: Joshua Idstein
    Joshua Idstein
  • vor 1 Tag
  • 2 Min. Lesezeit

Wie wird man eigentlich Lektor? Die Frage bekomme ich häufig gestellt – im Freundeskreis, von der Kundschaft und – zumindest zu Beginn meiner Tätigkeit – natürlich auch von der Familie.

Lektorat ist kein klassischer Ausbildungsberuf, und zum Glück ist das so! Die vielfältigen Hintergründe, die geballte Schwarmintelligenz hunderter unterschiedlicher Lebenswege, machen unseren Beruf aus und sind meines Erachtens nach die Grundlage für unseren Fortbestand. Aber man muss auch eingestehen: Berufsfeldern wie unserem, in denen es viele Quereinsteiger gibt, begegnen manche Menschen noch immer mit Skepsis.


Wie also kann man als Lektor*in nachweisen, dass man sein Handwerk wirklich so gut beherrscht, wie man es vorgibt? Nun, ein Weg könnten Fortbildungen sein – wie zum Beispiel der dreiteilige Kurs Freies Lektorat bei der Akademie der deutschen Medien, den ich über die letzten paar Monate absolviert habe.


Als ich letzten Winter mit der Fortbildung anfing, wusste ich noch nicht so recht, was mich erwartet. Da war zum einen natürlich die ganz gewaltige Sorge, dass mein schlummerndes Impostorsyndrom irgendwie bestätigt werden würde. Dass mir in den ersten eineinhalb Jahren Arbeit grobe Fehler unterlaufen seien oder ich mich wie ein Fisch auf dem Trockenen fühlen würde unter all den Kolleg*innen, die ja vielleicht viel mehr Erfahrung mitbrächten. Zum anderen war es ja gut möglich, dass ich gar nicht mehr viel dazuzulernen hatte und viel Geld für eine nur vermeintlich sinnvolle Fortbildung ausgeben würde.


Zum Glück war keines von beiden der Fall! Gleich zu Beginn lernte ich, dass ich vieles schon richtig machte und mich keineswegs als ertappter Hochstapler fühlen musste. Doch gleichzeitig lernte ich zahlreiche neue Aspekte kennen, die mir von selbst nie in den Sinn gekommen wären. Jeder Schritt in meiner Arbeitsweise wurde geschliffen, geschärft und feinadjustiert. Schon nach dem ersten Kurs ging ich mit einem gestärkten Selbstbewusstsein zurück an die Arbeit. Ein Effekt, der sich mit jedem weiteren Seminartag multiplizierte. Ich lernte, noch präziser zu arbeiten, Signale meines Sprachgefühls mithilfe sachlicher Bewertungsmuster in zielgerichtete Kommentare umzuwandeln und meine Kommunikation auf allen Ebenen zu verbessern. Wenn du schon Kunde bei mir bist, hast du es vielleicht selbst bemerkt – und direkt davon profitiert.



(Fast) mehr noch als die zahlreichen neuen handwerklichen Kenntnisse nehme ich aus diesem Kurs den wunderbar offenen Austausch mit Kolleg*innen mit. So eine unbeschwerte Atmosphäre ist keine Selbstverständlichkeit – und genauso wenig sind es die tollen Kontakte, die ich auf der Fortbildung knüpfen durfte. Wir freien Lektor*innen sitzen in der Regel nicht mit jemandem im Büro, sondern in der Bubble des Homeoffice. Man kann selten anderen auf die Finger schauen und so eine frische Perspektive gewinnen (oder eigene Abläufe vergleichen und ausbessern). Fortbildungen bieten die Chance, genau das zu tun – sich zu vernetzen, nachzufragen, vorurteilsfrei und ergebnisoffen.


Eine Kollegin hat es ganz treffend beschrieben: „Hier gibt es wirklich gar keine Ellbogen-Mentalität.“ – genauso ist es. Die Fortbildung hat mir noch mal verdeutlicht, was mein Bauchgefühl mir ohnehin schon sagte: In diesem Beruf fühle ich mich wohl, hier bleibe ich.


Und jetzt sogar ganz offiziell zertifiziert 😉

Kommentare


bottom of page