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Vergleich: BoD, tredition, epubli –Welcher Anbieter ist am besten?

  • Autorenbild: Joshua Idstein
    Joshua Idstein
  • 6. Sept. 2025
  • 6 Min. Lesezeit

Zusammenfassung: Autoren und Autorinnen stehen nach der Entscheidung zum Selfpublishing vor einer ziemlich langen Liste an komplexen Entscheidungen, darunter auch, welche Plattform sie für die Veröffentlichung heranziehen wollen. In diesem Text untersuche ich die drei großen Printanbieter (BoD, tredition, epubli) und komme zu dem Schluss, dass alles in einem BoD am stärksten überzeugt. Ich gehe außerdem zum Schluss noch mal kurz auf das Thema E-Book (KDP, Tolino media) ein.


Warum Selfpublishing?


Das Selfpublishing ist inzwischen längst aus dem schlechten Ruf heraus, der ihm noch vor zwanzig Jahren anhaftete. Längst präsentieren sich Bücher im Selbstverlag mit ansprechendem Einband und hoher Papierqualität, ganz zu schweigen davon, dass Autoren und Autorinnen ihre Rolle als eigener Verlag ernst nehmen und viel Zeit und Geld in Lektorat, Korrektur, Textsatz und Co. stecken.

Für viele ist Selfpublishing nicht länger zweite Wahl, sondern sogar die bevorzugte Methode, ihre Bücher ans Publikum zu bringen: Man ist nicht abhängig von Verlagsvorgaben, kann Zeitpunkt der Veröffentlichung selbst wählen, behält komplette kreative Kontrolle über Gestaltung und Vermarktung des eigenen Buches. Das spricht gerade jene an, die sich bisher im klassischen Publishing nicht vertreten gefühlt haben.



Als Lektor betreue ich, wenn ich Aufträge von Privatpersonen annehme, überwiegend Selfpublisher und ganz besonders Erst-Autorinnen. Heute will ich mir also mal angucken, welche der zahlreichen Dienstleister diesen Autoren den besten Einstieg bieten. Schonmal vorweg: Es gibt keinen klaren "Sieger", denn es ist letztendlich immer auch eine Frage der persönlichen Präferenzen und des Budgets. Lasst uns keine weitere Zeit verschwenden und direkt anfangen.


Die großen Drei: Book on Demand, tredition, epubli


Book on Demand (BoD): Der Goldstandard mit kleinen Abzügen

Vorneweg: alle drei hier genannten Verlage sind deutsche Firmen mit langer Tradition. BoD gibt es schon seit 1997, das Hamburger tredition wurde 2007 gegründet, im gleichen Jahr wurde epubli als Tochterunternehmen der Holtzbrinck-Verlagsgruppe (S. Fischer, Rowohlt, Droemer Knaur etc.) ins Leben gerufen. Hier ist also einiges an Erfahrung und professionellem Anspruch gebündelt, und das merkt man auch, wenn man sich die Onlinepräsenz dieser Selfpublishing-Riesen ansieht.


Die umfassendsten Dienstleistungen bietet ohne Frage BoD. Ein Profil ist schnell angelegt, ein Buchprojekt samt vorläufiger ISBN kann man innerhalb von drei Minuten einrichten. BoD bietet verschiedene Modelle an, wobei das günstigste (vom kostenlosen "Print"-Paket abgesehen), "Publish", direkt mit Anbindung an über 6.000 Onlineshops und kostenloser E-Book-Umwandlung überzeugt. Kostenpunkt: 39 €. Ein fairer Preis, gerade, da die Gewinnmargen recht hoch sind. Einzig negativ fällt mir hier auf, dass ein Probeexemplar bzw. ein Belegexemplar als kostenpflichtiges Extra dazugebucht werden muss und mit 49€ schon recht teuer ausfällt.

BoD bietet zudem Lektorate an (Kostenpunkt 6 € pro Normseite, was es natürlich etwas günstiger hier gibt!) und hat einen Cover-Editor. Der, muss ich sagen, ist alles andere als intuitiv und für die meisten Selfpublisher wohl auch nicht gleich attraktiv – da ist man mit einem professionellen Coverdesign besser beraten, eine Dienstleistung, die BoD in den höher bepreisten Paketen tatsächlich anbietet.


Großer Pluspunkt ist die Möglichkeit, ein Veröffentlichungsdatum festzulegen und das zeitgleich für Print und E-Book. Die Anbindung an die Onlineshops stationärer Buchhandlungen ist auch zuverlässig, auch wenn es in der Regel ein paar Tage dauern kann, bis die ersten Prints verfügbar sind. Qualitativ machen Druck und Papier ordentlich was her, was ich zum einen selbst bezeugen kann (dazu demnächst mehr!), was aber auch der Konsens online zu sein scheint. Spannend ist hier die Möglichkeit, sein Hardcoverbuch auch mit einem hochwertigen Umschlag aus Efalinpapier auszustatten.


Tredition: Niedrigschwelliger Einstieg, aber Achtung bei mehreren Auflagen

"Null Kosten, null Verpflichtungen" - damit wirbt tredition groß auf ihrer Seite. Und tatsächlich: Grundlegend ist das Publishing über tredition, im Gegensatz zu vielen Mitbewerbern, kostenlos. Da tredition als eigener Verlag agiert, nehmen sie sich dafür einen Teil der Gewinne, die Gewinnmarge ist also etwas geringer. Happig fällt es dafür aus, wenn ihr eine neue Auflage erzeugen wollt. Während grundlegend das Updaten des Buchblocks mit einer neuen Version auch bei BoD etwas kostet, ist hier tredition mit 99 Euro bei weitem am teuersten. Auch die Qualität des Drucks selbst kann nicht mit dem Mitbewerber mithalten, zumindest in meiner Einschätzung. Dafür erlaubt tredition eine hohe Personalisierung: Buchformate sind frei wählbar, mehr Papiersorten stehen zur Auswahl und die Nutzungsrechte für ein Manuskript werden nicht exklusiv überschrieben.


ePubli: Schlanker Dienstleister mit selbstbewusstem Auftreten

Mit ePubli schauen wir uns jetzt eine Berliner Tochter der großen Holtzbrinck-Gruppe an, die (das sollte wohl nicht überraschen!) entsprechend gut aufgestellt wirkt. Hier ist nicht nur die Veröffentlichung ohne Bereitstellungsgebühr bemerkenswert, sondern auch die Möglichkeit, Neuauflagen kostenfrei zu veröffentlichen. Ein ziemlich starkes Argument für Erst-Autorinnen also, auch wenn dafür die Gewinnmarge etwas schmaler ausfällt als bei den anderen Anbietern. Auch gibt es bei weitem nicht so viel Auswahl bei Buchformat und -gestaltung, was jene, die möglichst viel Kontrolle über den fertigen Druck haben möchten, vielleicht abschreckt.

Ähnlich wie bei BoD gibt man ePubli die Vervielfältigungsrechte für den eigenen Text exklusiv, kann diese aber jederzeit bei Vertragskündigung zurückerhalten.

Auch ist die Betreuung beim Buch nicht ganz so umfassend: statt eigener Dienstleister setzt ePubli auf seine "Buchprofis", professionelle Lektoren, Korrekturleserinnen, Buchsetzerinnen und Covergestalter, an die Autorinnen vermittelt werden. Feste Preise gibt es hier also nicht. Andererseits setzen sowieso viele Selfpublisher auf die Lektoren, Korrekturleserinnen und Ausstatter ihres Vertrauens.


Hier und da habe ich ein paar Berichte gefunden, dass die Erstellung von E-Books bei epubli nicht ganz so einfach ausfällt. Seit ein paar Jahren ist aber das E-Book-Pendant zu ePubli, neobooks (auch Droemer Knaur), engmaschig mit der Schwesterfirma verbunden. Das soll Autoren ermöglichen, Print und E-Book-Veröffentlichung möglichst fein aufeinander abzustimmen. Das ist meines Erachtens auf den ersten Blick nicht leicht ersichtlich - epublis Webpräsenz macht außerdem mehr her als die der Schwesterfirma.


Ein Wort zu den Digitalen: KDP, Tolino


E-Books sehen vielleicht nicht so schön aus im Regal, sind aber aus dem Leseverhalten der Deutschen nicht mehr wegzudenken: So wird das E-Book inzwischen sogar bevorzugt gelesen. Für Selfpublisher liegt der Vorteil von E-Books auf der Hand: Die Veröffentlichung ist niedrigschwellig zugänglich, um Details wie Papierqualität und Versandkosten muss man sich hier keine Sorgen machen und die Einbindung in Onlineshops wie Amazon erfolgt teils automatisch.


Nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag vieler Leser: Der E-Bookreader.
Nicht mehr wegzudenken aus dem Alltag vieler Leser: Der E-Bookreader.

Amazons Kindle und thalias Tolino sind die beiden großen E-Book-Reader auf dem Markt und kommen beide mit eigenen Onlinevertrieben. Mit Kindle Direct Publishing (KDP) und tolino media existiert auch eine Möglichkeit für Autoren und Autorinnen, ihre Bücher direkt als E-Book und sogar als Print herauszubringen. Die Tantiemen fallen mit 3570% ziemlich hoch aus, doch die Exklusivität schmerzt: E-Books, die über KDP veröffentlicht wurden, lassen sich nicht mit anderen Readern wie Tolino lesen. Umgekehrt gilt das gleiche.


Man fährt also ganz gut, wenn man beide Onlineshops bedient – dann darf man aber nicht auf Amazons KDP select-Dienst zurückgreifen, der einen exklusiven Vertrieb vorschreibt. Online scheint der Konsens zu sein, dass KDP insgesamt besser für Selfpublisher ist, auch wenn Tolino der momentane Marktführer ist. Für Print setzt man aber am besten auf die "klassischen" Dienstleister, die ich weiter oben vorgestellt habe: Die Printqualität lässt sowohl bei Amazon als auch Tolino zu wünschen übrig.


Mein Urteil


Wie ich oben hoffentlich zur Genüge ausgeführt habe, ist die Entscheidung für einen Anbieter immer eine recht persönliche. Eine wirklich allgemeingültige Empfehlung möchte ich hier nicht aussprechen. Am meisten überzeugt hat mich persönlich Book on Demand mit seiner relativ großen, aber doch überschaubaren Auswahl an Formaten, seinen umfangreichen optionalen Dienstleistungen und der Qualität der Formvorlagen für den Buchblock. Doch das heißt nicht, dass nicht viel für tredition mit seinem rundum kostenfreien und damit niedrigschwelligen Angebot oder für epubli mit seinem überzeugenden Onlineshop und der Erfahrung aus vielen Jahren Verlagstradition – spricht.


So hat sich zum Beispiel eine Autorin, deren ersten Band ich vor kurzem lektoriert habe, sich für tredition entschieden. Für sie war die Freiheit bei der Formatwahl und die kostenlose Veröffentlichung das überzeugende Argument.


Meine klare Empfehlung lautet allerdings, für Print nicht auf KDP oder Tolino media zu setzen. Der Druck als Taschen- oder gebundenes Buch ist hier offensichtlich eher ein "afterthought" und überzeugt einfach nicht. Da die Printanbieter allesamt Umwandlung und Vertrieb als e-Book anbieten und die Einbindung in die großen Shops übernehmen, bedeutet das aber zum Glück keinen spürbaren Mehraufwand für die Autorinnen.


Ein kleines Addendum hier noch: Ich habe nicht alle Dienste selbst ausprobieren können und habe mich deswegen sehr auf Autorenstimmen, sowohl aus dem Bekannten- und Kundenkreis, aber auch in Onlineforen und -blogs gestützt. Da die Selfpublishing-Anbieter ihre Dienstleistungen, Preise und Websites fortführend anpassen, kann da schnell mal eine Information veralten. Ich habe aber alle hier enthaltenden Daten auf ihre Aktualität geprüft und hoffe, damit einen möglichst breiten Überblick verschaffen zu können.

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